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Von Löbau nach Freudenberg Oktober 2001 - Die Eröffnungsveranstaltung zur Woche der ausländischen Mitbürger findet im CVJM-Haus Löbau statt. Nermina und Bisera Bajric besuchen erstmalig den Jugendklub "Waschküche". Von da an gehören sie zu regelmäßigen Besuchern und werden bald darauf in das Mitarbeiterteam aufgenommen. Im Herbst 2002 sind sie die Sieger der jährlich stattfindenden Äpfelsammelaktion. Im Laufe der Zeit lernen wir die Familie, die in einem der Löbauer Asylbewerberheime lebt näher kennen. Wir feiern gemeinsam Weihnachten, unterstützen sie bei Behördengängen und erhalten Einblick in die Entwicklung des Asylverfahrens. Im Rahmen eines christlichen Konzertes entscheiden sich die beiden Mädchen für ein Leben als Christ. Es folgen viele Gespräche, ein Glaubensgrundkurs und schließlich feiern wir im April 2003 in der Löbauer Nikolaikirche die Taufe. Ende Juli 2003 wird deutlich, dass für die
Familie keine Chance für ein Bleiberecht in Deutschland
besteht. Mit Einverständnis der Familie und im
Gespräch mit den zuständigen Behörden
versuchen wir eine freiwillige Ausreise zu organisieren. Trotzdem wird
die Familie unerwartet Über Nacht kehrt die Familie zurück in ihre alte Heimat - ein Land das bis heute unter den Folgen des Krieges leidet. Praktisch bedeutet dies für die achtköpfige Familie: Keine Wohnung, keinerlei finanzielle Unterstützung, keine Arbeit, keine Schule...Über die Hilfsorganisation "Hilfe konkret" konnten wir im Vorfeld Kontakt zu zwei kleinen christlichen Gemeinden in der Nähe aufnehmen, um nach Möglichkeiten der Unterstützung zu suchen. So gelang es, die Familie auf dem Flughafen der Hauptstadt Sarajevo abzuholen und in ihr altes Heimatdorf zu bringen. Notdürftig kommen sie hier die nächsten Wochen bei verschiedenen Verwandten unter. Noch im August bricht ein Team unseres Vereins zu einem ersten Besuch nach Bosnien-Herzegowina auf um sich ein Bild von der Situation vor Ort zu machen und die Verantwortlichen der Gemeinden in Tuzla und Sarajevo zu treffen. Das Bild, das sich uns bietet ist bedrückend. Schließlich stehen Herbst und Winter vor der Tür. Das erste Ziel heißt deshalb eine bezahlbare Wohnung für die Familie zu finden. Längerfristig muss das Ziel jedoch "Hilfe zur Selbsthilfe" heißen. Es folgen noch im Herbst weitere Reisen und viele Gespräche mit den Verantwortlichen vor Ort. Gleichzeitig wird ein Konzept zur Unterstützung für ein Jahr erarbeitet und in kurzer Zeit findet sich bei uns ein Freundeskreis, der bereit ist mitzuhelfen. Nachdem wir erfuhren, dass die Höhe der Miete einer Wohnung für ein Jahr etwa den Kosten zum Kauf eines kleinen Hauses entspricht, versuchen wir ein solches zu finden. Endlich am 9. Dezember kann die Familie in ein kleines Haus einziehen. wenigstens die untere Etage ist bewohnbar. Der Eigentümer ist vorerst die Gemeinde in Tuzla, finanziert wurde es aus Mitteln des Freundeskreises. Kurz vor Weihnachten besuchen wir das Haus auf dem Berg. Erstmalig ist die Situation etwas hoffnungsvoller. Unser Weihnachtsgeschenk ist eine gespendete Waschmaschine. Zusammen sitzen wir in einem geheizten Zimmer. Wir gehen gemeinsam einkaufen, feiern den vierten Advent und erleben den bosnischen Winter. Beim Abschied ist uns trotzdem schwer ums Herz. Noch ist es ein weiter Weg bis zu einem eigenständigen Leben. In den Februarferien bricht wieder ein Team Richtung Banovici/Veseli Brijeg auf. Diesmal ist Baumaterial und Werkzeug im Gepäck - Fliesen, Putzmörtel, Kleber... Außerdem steht eine wichtige Entscheidung über die weitere Perspektive an: Inwieweit hat die Familie inzwischen in ihrer alten Heimat Fuß gefaßt und ist bereit sich selbst zu engagieren...? Erstmalig hören wir es nun aus ihrem eigenen Mund: "Wir sehen hier wieder Hoffnung für uns." Eine Woche wird nun gemeinsam gearbeitet. Das Dach und die Fenster werden abgedichtet, Bad und Küche gefließt, die Wände gestrichen, Küchenmöbel gekauft...und natürlich wird viel gelacht, gesungen und gebetet. Besonders erfreulich ist außerdem, dass die jüngeren Geschwister von Nermina und Bisera seit einer Woche zu den wenigen Roma-Kindern des Dorfes gehören, die nun die Schule besuchen. Für die großen Mädchen selbst gestaltet sich dies jedoch aufgrund ihrer schlechten Bosnischkenntnisse, ihres Alters und der fehlenden anerkannten Zeugnisse aus Deutschland weiterhin schwierig. Immer wieder haben Nermina und Bisera die Gelegenheit einige Zeit in Sarajevo bei Mitarbeitern der Gemeinde zu verbringen. Diese Zeiten sind eine wichtige Hilfe zur Förderung ihrer Persönlichkeit und ihres Glaubens. Nach einem Besuch und Einsatz von Gemeindemitarbeitern im Dorf gestalten nun die beiden Mädchen jede Woche sonnabends einen Nachmittag für die Kinder des Dorfes. Inzwischen ist auch in Bosnien Frühling
und Sommer geworden. Zuletzt waren wir im Mai zu Besuch. Neben dem Haus
hat die Familie ein Stück Land urbar gemacht und Kartoffeln
gesteckt. Der Vater bestreitet einen Teil des Lebensunterhalts mit dem
Sammeln und Verkauf von Schrott. Nermina und Bisera konnten in Sarajevo
einen Kurs in der Volkshochschule besuchen und haben ihre
Prüfungen der Klassen 1 - 8 bestanden. Im September
wollen sie die Schule fortsetzen. |
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